Wohl jeder Mitstreiter hat wohl schon mal einen Bausatz in seinen Besitz gebracht, bei dem er sich spätestens am Morgen danach fragte: Warum? Der wandert dann den Stapel immer weiter nach unten oder man wird ihn irgendwann einfach los. Ab und an werden aber ganze Sammlungen  angeboten. Im Bestand finden sich begehrte Exemplare zu fairen Preisen.

Der Grund dieser Verkäufe ist beileibe nicht Geldnot oder Ärger mit der Dame des Herzens. Auch Platznot scheidet aus. Vielmehr hat sich der Mitstreiter entschieden, umzusteigen und will das Frischgeld für Investitionen nutzen.

Für den Laien sieht das zwar irgendwann genau so aus wie vorher, also eine Menge bunter kleiner Schuhkartons verteilt auf eine Reihe Schränke und Regale. Der Experte aber verweist ebenso stolz wie kopfschüttelnd auf sein neues Gebiet, das es nunmehr durchzubauen gilt:

Da behält die Royal Air Force ein weiteres Mal Oberhand über die Deutsche Luftwaffe. Kann aber auch sein, dass man sich in Zukunft durch den Kalten Krieg kleben möchte. Oder durch die Geschichte der Seefahrt. Möglicherweise bleibt sogar alles beim Alten. Prinzipiell. Nur der Maßstab ändert sich. Dabei haben Beuteschemen eine Menge Vorteile. Und die Nachteile sind eigentlich egal.

Zunächst einmal gilt: Wer Bausätze sammelt, gewinnt auch an Wissen. Kaum, dass die Gießäste begrabbelt wurden, geht’s ab ins Internet, um dort jedes verfügbare Informationsfitzelchen zu sammeln. Andere nutzen die Technik so genannter „Bücher.“ Für Digital Natives: Das sind die Dinger, die sich eingescannt im Netz finden. Nur in minderer Qualität.

Wie dem auch sei. Früher oder später ist man in der Lage, Dokumentationen oder Historienfilme mit Lachanfällen zu begleiten oder kundig Auskunft zu geben über Vor- und Nachteile eines bestimmten Bausatzes. Selbstverständlich ist auch das  Zubehör exakt auf den eignen Claim abgestimmt. Die lang nicht mehr erhältlichen Spezial-Farben lagern im Bankschließfach. Das Wochenende gehört Excel-Tabellen mit Werknummern-Blöcken oder der Interpretation verschwommener Fotos.

Ein Umsteiger kann das alles getrost vergessen. Er fängt faktisch bei Null an, auch das hat seinen Reiz. Aber vielleicht wechselt er einfach nur den Maßstab und bleibt  ansonsten in seinem Revier. Dafür erwarten ihn andere, spannende Erlebnisse.

Alterungstechniken, die in 1:48 schön subtil daher kommen, haben in 1:72  vielleicht den Effekt einer Expedition durch den Kohlenkeller. Aber vor der Lackierung steht natürlich der Bau. Der kann sich ungewohnt in die Länge ziehen, weil auf einmal soviel Teile da sind. Anderseits nutzt mancher Scratch-Bauer seine Profile zum Farben umrühren, weil im größeren Maßstab alle Details breits vorhanden sind.

So gesehen hat das Sprichwort vom Schuster und seinen Leisten beim schönsten Hobby der Welt durchaus seine Berechtigung.

Aber selbstverständlich existieren Tricks.

So kann man beispielsweise im Rahmen allfälliger Contests ausnahmsweise mal was anderes bauen. Und sich so den ursprünglichen Spaß der Neuen bewahren, ohne sich gleich verpflichtet zu fühlen, den eigenen Standard zu halten.

Oder man sagt von vornherein: Egal. Hauptsache fliegt, schwimmt, oder fährt. Nur Vorsicht: das könnte lustig werden.

Bewährt hat sich schließlich, sich einfach die Ergebnisse aus anderen Gebieten anzuschauen, sich dran zu freuen, nachzufragen wie’s geht und das eine oder andere im gewohnten Gebiet zu nutzen. So bleibt man sich selbst treu – und dennoch offen für alles.

Michael Funke

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