Das ist ja nun mal ein Begriff, der dem Bastel-Neuling ebenso vertraut ist wie dem Profi. Ebenso wie der Satz „Dieses Jahr schenken wir uns mal nichts.“  Übrigens einer der wenigen guten Vorsätze, die es auf keinen Fall zu befolgen gilt, will man den weihnachtlichen Frieden erhalten. Dieser wiederum gehört ebenso unverbrüchlich zum Fest der Liebe wie strahlende Kinderaugen. Letztere stellen sich während des Jahres sonst ausschließlich bei Nachwuchsbastelaktionen ein, womit wir nun endlich die Kurve zum schönsten Hobby der Welt gekriegt hätten.

 

Für viele Mitstreiter ist Weihnachten seit der Kindheit automatisch mit dem Hobby verbunden. Schließlich  hatte man das Jahr über auch hart geschuftet, also eine erkleckliche Anzahl von Modellen zusammengeklebt. Alles, was sich Ende November auf dem Regal befand, war auch ein stummes aber sehr verbindliches Briefing an Eltern, Verwandte und Bekannte.

Großzügig, wie diese nun mal sind, gab es dann auch immer Bausätze, die man sich von seinem eigenen Taschengeld niemals hätte leisten können. Und so war das Ende des Festes  sehr häufig mit der Zündung der nächsten Stufe des eigenen Könnens verbunden. Oder mit der Erkenntnis, dass die dafür notwendige Lunte der Geschicklichkeit noch ein wenig feucht war.

Da erwies es sich als ratsam, die üblichen Nebensächlichkeiten beim Bau eines Riesenmodells dem Vater oder großen Bruder zu überlassen und fachkundig anzuleiten: „Wann isse fertig?“

So stellte sich ein zweites Mal Vorfreude ein – auf ein und dasselbe Geschenk. Wo gibt es das sonst?

Ebenso schön war es, Dinge auf dem Gabentisch zu finden, an deren bloße Existenz man selbst niemals gedacht hätte, beispielsweise Hobbymesser, Pinzetten oder Farbe. Auch hier stellte sich ein doppeltes Glücksgefühl ein: Solche Aufmerksamkeiten zeigten, dass man sich wirklich Gedanken gemacht hatte, um einem kleinen Bastler eine große Freude zu bereiten.

Und da sich seit dem 24. mindestens ein neuer Bausatz im Besitz befand, konnte man solche Geschenke gleich praktisch einsetzen, was wiederum den Blutsverwandten voller Dankbarkeit signalisierte, alles richtig gemacht zu haben. Währendessen mussten sich nichtbastlende Geschwister „Der kleine Lord“ zu Gemüte führen, da die Batterien des fernlenkbaren Autos am Vormittag des ersten Weihnachtstages aufgegeben hatten, das Chassis kurz nach dem Mittagessen.

Viele der kleinen Bastler von damals sind inzwischen selbst Familienväter. Aber hat sich prinzipiell was geändert? Auch ein erwachsener Modellbauer stellt Frau und Familie vor keinerlei Probleme, geht es um mögliche Geschenke.

Und er freut sich wie früher, wenn er einen Bausatz bekommt, der etwas Besonderes ist. Allein durch denjenigen, der ihn kaufte: Wer wissen möchte, wie sich eine klassische Ehefrau in einem Modellbauladen fühlt, der wandele als Mann durch die Lingerie-Abteilung  eines Kaufhauses.

Und wer dann sein Geschenk, mit den Worten überreicht bekommt: „Für Dich,“ der weiß:

Glänzende Kinderaugen?  Das hört bei uns niemals auf.

Frohe Weihnachten!

 

Michael Funke

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