Ein weiteres Schätzchen aus der “guten alten Zeit” fristet irgendwo im dunklen Modellbaukeller ein vergessenes Dasein … doch angeregt von unserer Serie “Legenden des Modellbaus” wollen wir heute nicht nur eine solche Legende, sondern auch einen Meilenstein der Luftfahrt wiederauferstehen lassen – den Gloster Versuchsträger E.28/39 der britischen Plastikmodellbaulegende FROG.

Die Gloster E.28/39 verdankt ihre Existenz der Spezifikation 28 aus dem Jahre 1939, die einen Erprobungsträger für das gerade entwickelte Jet-Triebwerk von Frank Whittle forderte. Die unter der Gloster Werksbezeichnung G.40 in nur zwei Exemplaren gebaute einstrahlige Maschine hatte ihren Erstflug am 15. Mai 1941; während der zweite Prototyp mit der RAF-Kennung “W4046″ noch während des Zweiten Weltkrieges durch technischen Deffekt verloren ging, überlebte der erste Prototyp, die “W4041/G” den Krieg und kann heute im British Science Museum in Kensington bewundert werden.

Übrigens: aus den mit der E.28/39 bzw. G.40 gewonnenen Erfahrungen entstand dann bei Gloster die G.41 – besser bekannt unter ihren nom-de-guerre “Meteor”!

Als FROG 1966 die “Gloster Whittle” auf den Markt brachte, war sie zweifelsohne auf der Höhe der Zeit: äußerst feine erhabene Paneellinien, wo die Konkurrenz noch mit Dampfkesselnieten arbeitete; eine schöne Cockpitwanne, wo die Konkurrenz nur zwei Passstifte und einen Plastikklumpen als Pilotenfigur aufweisen konnte und eine traumhafte Passgenauigkeit, wo bei der Konkurrenz noch Unmengen von groben Schleifpapier für die nötige Passung sorgen mussten.

Eine Unaufmerksamkeit damals ist heute allerdings in Vergessenheit geraten.

Zwar verwendete man zur Herstellung der Form Originalunterlagen, jedoch standen FROG nur die Zeichnungen der ursprünglich geplanten Tragflächen zur Verfügung. Beim Prototyp hatte man diese dann doch größer gestaltet als in den ersten Projektentwürfen.

Schon am Bauplan lässt sich der einfache, aber problemfreie Aufbau erahnen...

Die einzelnen Bausatzteile sind in hellgrauem Kunststoff gespritzt und verfügen, wie schon erwähnt, über äußerst feine angedeutete erhabene Paneellinien – der hier und da zu sehende Gussgrat ist bei einem Bausatz, der aus Formen des Jahres 1966 stammt, wohl leicht entschuldbar:

Die einzelnen Bauteile - angesichts des Alters der Formen noch tadellos in Schuss!

Der einzige, leider aber fatale Wermutstropfen am Modell:

An den Aussenseiten der Rumpfoberfläche zeigen sich 6 nicht zu übersehende Sinkstellen dort, wo innen die Passstifte angegossen sind:

Um diese Sinkstellen zu verspachteln, ist es nötig, mit Schleifpapier zu arbeiten – davon wiederum werden die Paneellinien in Mitleidenschaft gezogen. Also sollte das komplette Modell umgraviert werden.

Selbst heute,50 Jahre später, ist der unter diversen Firmennamen wiederaufgelegte Bausatz noch durchaus konkurrenzfähig. Gewiss: Verglichen etwa mit dem Pavla-Modell und seinen Resindetails fällt die FROG “Whittle” stark ab – aber dieses hübsche kleine Modell hat auch seinen unbestreitbaren Charme: Mit etwas Eigeninitiative kann man aus diesem soliden Grundbausatz eine rundum gelungene Replik erstellen. Wie sich das im einzelnen gestaltet, werden wir in einem weiteren Artikel erläutern…

Da der Bausatz realtiv einfach zu bauen ist und zudem oftmals als Tütenware zwischen 2 und 4 Euro zu haben ist, können wir die Gloster Whittle auch als Anfängermodell wärmstens empfehlen. Bei unserem Fördermitglied TOM-Modellbau ist die aktuelle Neuauflage (mit ordentlichen Nassschiebebildern) für knapp 4 Euro erhältlich.

Dr. Michel Brodhaecker, Modellbaufreunde Lingen (Februar 2012)

 

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